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Ethik im Spitzensport

Podiumsdiskussion vor WM in Osnabrück
Ist der Profifußball nur Spiegelbild der Gesellschaft oder hat er Vorbildfunktion? Immer wieder um diese Frage ging es bei der lebhaften Podiumsdiskussion über Ethik im Spitzensport am Mittwoch im Gemeindehaus der evangelischen Mariengemeinde in Osnabrück. Während der Sportwissenschaftler Gunter Pilz meinte: „Sport verklären hilft nicht“, fand ARD-Sportreporter Tom Bartels die Debatte viel zu negativ und sieht in anderen Bereichen, etwa Musikerziehung oder Beruf, genauso eine Erfolgsorientierung wie im Sport. Landessuperintendent Dr. Burghard Krause stellte nach dem Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke fest: „Es ist eine heimliche Übereinkunft des Gesamtsystems, dass man sich öffentlich nicht zu Schwächen bekennen darf“. „Wir bekommen nicht hin, Verlierer von der Rolle des Versagers zu trennen – im Sport und gesamtgesellschaftlich“, so der evangelische Regionalbischof weiter. „Wie kann der Sport der Gesellschaft helfen, den Umgang mit Niederlagen zu trainieren?“ fragte er unter Beifall der 50 Zuhörer. Joe Enochs, früherer Kapitän beim VFL Osnabrück und jetziger Trainer der U-23-Mannschaft, wünscht sich bei seinen Spielern einen „gesunden Ehrgeiz“. „Es ist nicht verkehrt, dass Spiel gewinnen zu wollen, aber dabei fair zu bleiben“. Der emeritiere Sportprofessor Gunter Pilz sieht im Fußball gesellschaftliche Probleme wie in einem Parabolspiegel gebündelt. Er habe erlebt, wie schon 6-jährige Fußballkinder von ihren Müttern bei Spiel beschimpft wurden. Auch VFL-Sportdirektor Lothar Gans spürt immer wieder den Erfolgsdruck von Zuschauern und Fans, wobei sportlich nur Nuancen zwischen Aufstieg in diesem Jahr und dem Abstieg im letzten Jahr lagen. Einmal werde die Mannschaft im offenen Wagen in der Innenstadt gefeiert, im anderen Fall können man quasi nur im „Panzersperrwagen“ durch die Stadt fahren, meinte er schmunzelnd. Und auch Enochs musste auf dem Marktplatz erleben, dass Fans kein Verständnis für ein Unentschiedenen am davor liegenden Wochenende hatten; allerdings mehr als 95 Prozent lebten und litten mit ihrem Verein. Vom Publikum der Diskussion auf die Rolle der Medien angesprochen, meinte Tom Bartels, er habe an den Anspruch, ein Spiel objektiv darzustellen. Der Moderator der Podiumsdiskussion, der Sportjournalist Harald Pistorius, meinte, bei ihm seinen bestimmte Worte wie „Versager“ tabu. Landessuperintendent Dr. Burghard Krause sah als Ziel – auch in der kirchlichen – Erziehung von Jugendlichen, sie lebenstauglich zu machen, indem sie leistungstauglich und niederlagenfähig werden. „Du bist bei Gott ein Gewinner!“ bleibe aber die Botschaft. Pilz diagnostizierte „die Pervertierung hin zum Erfolg“ als Problem. Bartels hielt dagegen, dass gerade die Deutschen besser als viele andere Nationen verlieren können. Der Sport leiste Überragendes für die Integration. „Man muss nicht nur siegen im Sport. Ich bin für ein menschliches Miteinander – aber nicht nur im Sport“, meinte der prominente Moderator abschließend. Die Podiumsdiskussion auf Einladung vom Osnabrücker Superintendenten Friedemann Pannen ist Auftakt einer Kampagne seines Kirchenkreises im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika unter dem Motto „ ... damit der Ball für alle rund ist!“. Geplant sind unter anderem Lesungen und Gottesdienste und am 31. Mai ein Südafrika-Vortrag um 20 Uhr im Steinwerk St. Katharinen. Infos unter www.Kirchenkreis-Osnabrueck.de.
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