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Gegen rechte Kaderschmieden LS Jantzen am 19.6.2010 bei einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus in Eschede

Meine Damen und Herren, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus!
Es ist gut, dass wir uns heute hier versammeln, um die Zufahrtswege zum Hof Nahtz zu blockieren. Seit über 20 Jahren treffen sich dort alte und neue Nazis. unter dem Deckmantel von Sonnwendfeiern und Erntefesten und pflegen ihr dumpfes, abstruses Gedankengut. Wir widersprechen entschieden ihren rassistischen und gewaltverherrlichenden Parolen, mit denen sie Menschen anderer Kulturen und Hautfarbe einschüchtern und ausgrenzen. Wir sagen nein zu der Geschichtsverdrehung der Nazis, mit der sie die Opfer des Faschismus verhöhnen. Während in Celle der Niedersachsentag stattfindet, wollen wir hier Gesicht zeigen. Wir setzen ein Zeichen für eine offene und demokratische Gesellschaft, für den Schutz von Minderheiten und ein friedliches Miteinander der Kulturen.
Manche wissen, dass Landwirt Nahtz etliche Hektar Kirchenland gepachtet hat. Eine Kündigung war aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Aber der KV Eschede wird den Pachtvertrag nicht über 2014 verlängern. Und was den Rechten am wenigsten schmecken wird: bis dahin fließen die Pachteinnahmen in Projekte gegen Rechts!
Als Kirche teilen wir mit vielen anderen die Sorge, dass faschistische Ideen in unserm Land erneut politisch wirksam werden könnten; dass Gewalt wieder zu einem Mittel politischer Auseinandersetzung werden und jene Kräfte stark machen könnte, die den sozialen Frieden hier im Lande und damit letztlich den Frieden zwischen den Völkern bedrohen. Darum stellen wir uns den Neonazis in den Weg. Wir wollen keine rechten Kaderschmieden und Schulungszentren, weder hier in der Heide noch anderswo! Hier ist kein Platz für Rassismus und Antisemitismus, für Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung!
Es ist nötig, dass wir uns zu Wort melden. Denn Schweigen und Wegsehen können schnell als Duldung oder gar Zustimmung gewertet werden. Wir werden – ohne es zu wollen - zu Mitläufern und dann auch zu Mittätern. Es ist noch nicht so lange her, dass antidemokratische, nationalistische und antisemitische Kräfte in Deutschland das Schweigen der Masse für sich genutzt haben, Recht und Freiheit außer Kraft gesetzt und unser Volk und viele andere Völker in die Katastrophe geführt haben. Das dürfen wir nie vergessen.
Immer noch gibt es einzelne Politiker, Polizisten oder Behörden, die das Problem des Rechtsextremismus relativieren und verharmlosen. Damit dürfen uns nicht abfinden. Der Rechtsextremismus ist kein gesellschaftschaftliches Randphänomen mehr, über das wir großzügig hinwegsehen könnten. Es ist auch keineswegs auf die neuen Bundesländer im Osten beschränkt. Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten in Niedersachsen ist nach wie vor erschreckend hoch. Erst kürzlich war eine internationale ökumenische Arbeitsgruppe auf Einladung der deutschen Kirchen hier und hat festgestellt, dass Rechtsextremismus und Rassismus in der Mitte unserer Gesellschaft existieren. Und sie empfiehlt in ihrem Schlussdokument: „Das Ganze verändern – nicht nur die Nische!“
Allerdings ist es genau so zu verurteilen, wenn Gewalttäter aus einer friedlichen linken Demonstration gegen Sozialabbau heraus Sprengkörper auf Polizisten werfen, wie jetzt gerade in Berlin geschehen. Das ist in keiner Weise zu rechtfertigen. Solche Aktionen wirken sich kontraproduktiv auf den Kampf gegen Rechts aus. Sie dienen bestimmten politischen Kräften als Vorwand, von der rechtsextremen Gefahr abzulenken. Ich appelliere an Innenminister Thomas de Maizière, sich davon nicht beeindrucken zu lassen!
Auch wir als Kirche sehen uns vermehrt rechten Angriffen gegenüber. Mit neu-heidnischen Sprüchen wie „Odin statt Jesus“ verunglimpfen die Neonazis das christliche Gottes- und Menschenbild und vertreten eine Sozialauslese nach dem Recht des Stärkeren. Hier ist unser klares Bekenntnis gefordert. Nach christlicher Überzeugung ist jeder Mensch ein Ebenbild Gottes, ausgestattet mit einer unverlierbaren Würde. Darum setzen wir uns in Kirche und Diakonie anwaltschaftlich für den Schutz und das Lebensrecht derer ein, die von anderen als minderwertig oder lebensunwert aussortiert werden. Und wir wissen dabei die große Mehrheit der Bevölkerung hinter uns.
Im Februar dieses Jahres wurde auf Anregung der EKD in Dresden die „Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche gegen Rechtsextremismus“ gegründet. Im März hat unsere Landeskirche in Zusammenarbeit mit der gewerkschaftsnahen Arbeitsstelle „Rechtsextremismus und Gewalt“ in Berlin ein Materialheft herausgegeben mit dem Titel: „Gib dem Hass keine Chance – Neonazis enttarnen“. Eine gut gemachte Arbeitshilfe für Schule und Konfirmandenunterricht. Das sind für mich ermutigende Schritte. Ich freue mich, dass viele Gemeinden und Kirchenkreise diese Bemühungen unterstützen und den Weg mitgehen. Das erfolgreiche Engagement der Kirchengemeinden Müden, Fassberg und Unterlüss gegen der Erwerb des Landhotels Gerhus durch die Neonazis („Die Heide blüht lila und nicht braun“) steht beispielhaft dafür.
Im Namen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers danke ich allen, die sich gegen Rechtsextremismus und Gewalt engagieren, die oft viel Zeit einsetzen und große Zivilcourage zeigen. Ich bitte Sie: Bleiben Sie weiter wachsam! Und ich verspreche Ihnen: Wir bleiben an Ihrer Seite.
Vielen Dank. |
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