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Was ist gut für mich ?


Was ist gut für mich? Das entscheiden oft andere. „Es ist besser für dich, wenn du ins Pflegeheim gehst“, sagen die Kinder der alten Mutter. „Jetzt gehen Sie erst mal zur Kur“, entscheidet der Arzt über den Patienten. „Der paßt gar nicht zu dir“, beschließen die Eltern für ihre Tochter im Gespräch über den neuen Freund. Selbstbestimmung setzen wir bei anderen gerne außer Kraft, fordern sie aber für uns selbst ganz selbstverständlich ein. Leider ist es manchmal gar nicht so einfach zu entscheiden, was gut ist. Denn das, was ich jetzt gerade als gut betrachte, erweist sich nicht selten etwas später als gar nicht so gut. Berater oder ein paar allgemein akzeptierte Regeln können da sehr hilfreich sein.
Deshalb sind wir uns vielleicht sogar einig, dass es doch einiges gibt, was für alle gut ist: Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz. Aber woher wissen wir das eigentlich? Der Prophet Micha beantwortet das in der Bibel so:
„Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“
Bei der Suche nach offenkundigen und tragfähigen Lebensregeln kommen sehr schnell zumindest Teile der 10 Gebote in den Blick, nicht weil sie so gut auswendig gelernt sind, sondern weil sie so lebensnah sind. Wenn aber jeder Mensch eigentlich weiß, was gut ist, bleibt allerdings die Frage offen, warum die Welt dann nicht friedlich, gerecht und tolerant ist.
Vielleicht liegt es daran, dass bei der Suche nach dem Guten viel zu oft und zu schnell Verbote aufgestellt werden. Sogar die 10 Gebote sind in der Mehrzahl leider Verbote. Aber wenn wir uns die Mühe machen, sie verstehen zu wollen, dann können wir entdecken, welche großartigen Lebenschancen sie uns eröffnen. Der Verzicht auf Habgier, Neid und Diebstahl ermöglicht Zufriedenheit. Die Beschränkung auf den einen Gott befreit von der quälenden Suche nach unerreichbaren Idealen. Andere Menschen sind nicht Gegner, die aus dem Weg geräumt werden müssen oder vor denen es sich zu schützen gilt, sondern Partner, mit denen das Leben und die Welt geteilt werden kann.
Auch wer einmal für andere entscheiden muss oder sie bei Entscheidungen berät, kann sich an dieser Weite der Möglichkeiten orientieren, denn es gibt fast immer mehr als nur einen Weg. Dass das nicht immer einfach ist, wissen wir alle. Der letzte Hinweis auf die Demut beim Propheten Micha kann sogar über Mißerfolge hinweg helfen, denn niemand muss und kann immer alles richtig machen. Je öfter wir uns das eingestehen statt auf Positionen zu beharren, um so friedlicher, gerechter und toleranter wird die Welt und unser Leben werden.
Pastor Wolfgang Tereick Geschäftsführer der Diakonie Freistatt |
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