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Herr Matthäus und sein Farbtupfer Wort zum Sonntag, 07. Januar 2012

Irgendwas fehlte Herrn Matthäus noch. Für seine Geburtsgeschichte über den künftigen Messias, also über das Kind, welches gleichzeitig Retter, Erlöser und König sein soll, brauchte er noch einen Farbtupfer. Beim Recherchieren im Buch des Propheten Jesaja liest er von Schätzen und Dromedaren. Dabei geht die Phantasie mit ihm durch: Buntes Karawanengetümmel und Männer aus der Fremde treten auf den Plan. Nun, ein bisschen Exotik schadet dem schlichten Stall bei Betlehem doch nicht. Jede Story braucht einen Knüller. Herr Matthäus koloriert seine Weihnachtsgeschichte in schriftstellerischer Freiheit etwas nach. Seitdem kennen wir die "Drei Heiligen Könige". Sie sind nebst prächtigem Gefolge die Stars an jeder gut sortierten Weihnachtskrippe! In unseren Kirchen wird ihr Fest am 6. Januar als "Erscheinung des Herrn" gefeiert. Die drei Fremden, wie wir sie in der Erzählung der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Matthäus vorfinden, stehen dann dafür, dass Gott sich nicht nur an ein einziges Volk bindet, sondern dass jeder zu seinem Volk gehört, der sich suchend zu ihm auf den Weg macht. Dass Gott "erscheint" bedeutet dann: Wer Jesus erkennt, der erkennt Gott - egal wie Jesus von ihm wahrgenommen wird, ob als Kind oder als Erwachsener. Der Apostel Paulus erklärt den Christen seiner Zeit, dass alle Menschen durch Jesus zu Gott gehören sollen. Darum verkündet er die Botschaft vom Menschen Jesus für die Bewohner des griechischen Sprachraums. Das war ein unerhörter Sprung nach vorne, aber auch ein Skandal. Denn bisher ging man davon aus, dass Jesus nur deswegen gelebt hat, um die Menschen des Volkes Israel zu ihrem Gott, der sich "Ich-bin-da" nennt, zurückzuführen. Paulus lehrt anderes: Jesus ist gekommen, um alle Menschen mit diesem guten Gott und Vater bekannt zu machen. So erinnern uns die drei Heiligen Könige, dass nun der Glaube an den Gott Jesu zu einem Glauben für alle Menschen auf der Erde geworden ist. Der alte Glaube des Volkes Israel wird somit "demokratischer", weil er jetzt die Menschen aller Völker, Sprachen und Kulturen mit einbezieht. Das Volk Israel gehört Gott weiterhin als besonderes Eigentum; sein Gott darf in Jesus den Menschen aller Völker gehören. In den drei Fremden, die nach langen Umwegen an die Krippe kommen, dürfen wir uns als Suchende und Fragende erkennen. Die Drei machen deutlich, dass zur Kirche gehört, wer ein Mensch ist. Zur Kirche, die Gott will, gehören nämlich alle Menschen - egal ob getauft oder ungetauft. An den Weihnachtskrippen schaffen wir am 6. Januar Platz für die Königsfiguren. Da werden die Hirten beiseite gestellt, die Schafe müssen woanders stehen. Die Fremden werden dann erwartet, weil gerade ihre Botschaft das Bekannte neu deutet. Erwarten wir das Fremde - oder gar die Fremden - in unserem Leben und in unseren Gemeinden mit derselben Vorfreude? "Dein Leben wird bunter, wenn Du das Fremde in Deinen Alltag lässt", will uns Herr Matthäus sagen. "Und dann geht ein Stern in deinem Leben auf."
Michael Lier, Pfarrer in Diepholz |
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