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Hauptsache Mensch Wort zum Sonntag, 18. Februar 2012

Ein Luxusauto mit viel PS. Ein Mann mit dunkler Brille wirft sich auf den Fahrersitz. Nach einem bestätigenden Blick auf den bärtigen Mann auf dem Beifahrersitz startet er durch. Stadtverkehr, Schnellstraße- keine Verkehrsregel hält die beiden auf. Polizei nimmt die Verfolgung auf, stoppt das Auto, holt den Fahrer mit vorgehaltener Waffe aus dem Fahrzeug wie einen Schwerverbrecher.
„Sehen Sie denn nicht: mein Beifahrer ist querschnittsgelähmt und hat einen Anfall. Wenn er nicht schnellstens in die Klinik kommt, stirbt er!“ Polizei eskortiert die beiden zur Notaufnahme. Während die Helfer herbeistürzen, sagt der Beifahrer: „Du hast die Wette gewonnen. Wie geht es weiter?“
So beginnt der aktuelle Kinofilm „Ziemlich beste Freunde“. Im Lauf des Films wird klar: Die Szene leitet keinen Agentenfilm ein, sondern ist Höhepunkt einer besonderen Beziehung zwischen zwei Männern, die denkbar verschieden, aber aufeinander eingespielt und völlig aufeinander angewiesen sind. Diese beiden erfüllen sich mit der Autofahrt einen „politisch völlig unkorrekten“ Jungentraum. Philippe, der eine, ist tatsächlich durch einen Unfall querschnittsgelähmt und findet durch Driss, den er probeweise als persönlichen Pfleger einstellt, seine Lebensfreude wieder. Driss, ein afrikanischer Einwanderer aus einer der Vorstädte von Paris mit vielen Problemen und fast ohne Chance, jemals in Frankreich Fuß zu fassen, begegnet dem reichen, kranken Philippe völlig ohne Mitleid oder Unterwürfigkeit und findet durch den Umgang mit ihm den Respekt vor sich selbst wieder. Am Ende haben beide eine neue Perspektive für ihr Leben. Ein wunderbarer Film… ein modernes Märchen. Oder mehr?
In Deutschland ist die „Inklusion“, d.h. die Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen, politisch gewollt. Aber in der Praxis gibt es für die Eltern von „behinderten“ Kindern viele Hürden zu überwinden, bevor ihr Kind einfach als Mensch mit „nicht behinderten“ Kindern spielen, lernen und später arbeiten kann. Ganz vorsichtig fragte eine Mutter bei mir an, ob ihr Kind statt in einer Gruppe seiner Förderschule auch bei uns, in seiner Kirchengemeinde, unterrichtet und konfirmiert werden könne. Wir haben alles genau besprochen, auch mit den Mit-Eltern und Konfirmanden, und es gewagt. In der Gruppe lernten sich die jungen Menschen kennen und so nehmen, wie sie sind. Unvergesslich ist mir, wie bei einem Wettspiel ein Mitkonfirmand den lernbehinderten Jungen mit verbundenen Augen über einen Parcours dirigierte: „Links! Rechts! Links! Nein- das andere Links!“ Und wie die beiden sich über ihren gemeinsam errungenen Sieg freuten! Das macht mir Mut, dass wir auch anderswo Berührungsängste auf beiden Seiten abbauen und aufeinander zugehen können- frei nach dem Apostel Paulus „einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“.
Pastorin Birgit Tell, Kirchengemeinde Burlage |
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