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Steh mir bei, Gott! Wort zum Sonntag, 24. März 2012

So schreit ein tief verletzter Mensch seinen ganzen Schmerz aus sich heraus. Er sieht sich ins Unrecht gesetzt, betrogen von Angehörigen und Menschen seines Umfeldes. Wieviele Menschen haben sich nach harten Schicksalsschlägen oder unerwarteten Abstürzen wohl schon ähnlich verzweifelt nach Gott gerufen? Heraus aus schlimmen Qualen, Nöten, Ängsten und in einer Lage, in der man sich von allen guten Geistern verlassen fühlt?
„Steh mir bei, Gott!“ Diesen dringlichen Ruf nach Hilfe führt der morgige vorletzte Sonntag der Passionszeit in seinem lateinischen Namen „Judika“. Ein Name, der auf den Anfang des 43. Psalms zurückgeht: „Steh mir bei, Gott, verschaffe mir Recht!“ Das Gebet eines Unbekannten. Allerdings, wenn man den Psalm einmal nachliest, ahnt man schnell die tiefe Existenzkrise des Beters. Worte, die in mir nachwirken.
Verschaffe mir Recht! Das klingt hier nicht nach Rechthaberei, sondern ist ein wirklicher Schrei um Hilfe. Auch bei uns leiden trotz unseres Rechtsstaates uns immer wieder Menschen unter Ungerechtigkeit. Es mag manchen Zeitgenossen sehr, sehr gut gehen, andere darben ohne Würde am Rande des Existenzminimums. Dabei gehört Gerechtigkeit zu den wichtigen Leitbegriffen der Bibel. Er kommt in ihr häufiger vor als Glauben, Frieden oder Liebe. Ja, die Bibel wird nicht müde zu betonen, dass Gottes Gerechtigkeit all die ins Licht holt, die sich im gesellschaftlichen Abseits befinden und - oft bis heute - nur geringe Unterstützung finden: Witwen und Waisen, Kranke, Alte und Gebrechliche, Menschen ohne Arbeit, Gefangene oder Menschen fremder Herkunft. Gerade Menschen wie ihnen hat sich Jesus aufreizend deutlich zugewandt.
Bekommt der Beter sein erhofftes Recht? Nun, sein Gebet endet mit den Worten: „Warum bin ich so mutlos? Muss ich denn verzweifeln? Auf Gott will ich hoffen, auf ihn, der mir hilft.“ Ein Gottvertrauen, das mich beeindruckt. Und es tut mir gut. Mag ich auch hinnehmen müssen, dass menschliche Gerechtigkeit immer wieder an ihre Grenzen stößt, Gottes Gerechtigkeit wird ihr Ziel erreichen! Darauf zu setzen, ermuntert uns der morgige Sonntag in seinem Namen. Gleichzeitig ist er ein Aufruf an uns, das Unsrige zu tun, um dem Recht Geltung zu verschaffen.
Pastor Hans-Jürgen Giesen aus Barnstorf |
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