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Anker hoch, die Segel gesetzt Wort zum Sonntag am 11.08.2012

Die Sonne steigt gleißend aus dem Meer. Die Kaimauern vibrieren von den Schritten vieler Menschen. Laute Kommandos schallen durch den anbrechenden Tag. Dann wird es still. Mannschaft und Kapitän lösen sich aus Abschiedsumarmungen und treten geschlossen an den Steg. Die Menschenmenge bildet einen Halbkreis und lässt sie hervortreten: den orthodoxen Popen, den katholischen Priester, den jüdischen Rabbi, den muslimischen Mullah, einen buddhistischen Mönch und auch den lutherischen Pastor. Nacheinander segnen sie die abschiednehmende Mannschaft. - Dann: Anker hoch, die Segel gesetzt. Der Dreimaster geht auf große Fahrt. Und der Segen Gottes begleitet sie.
Die Männer an Bord haben nicht denselben Gott, sie haben nicht einmal dieselbe Sprache, - und doch sind sie eins. Eine Mannschaft. Nur so können sie Kurs halten und ein Ziel ansteuern. Sie arbeiten Hand in Hand. Sie sind eines Geistes. Und mit jeder Meile wird das Band des Friedens zwischen ihnen fester, - so dass sie auch die Stürme überstehen werden...
Mit dieser Geschichte habe ich in meiner Zeit in Russland oft Stadtführungen durch Vladivostok beendet. Am Ende standen wir am Kai. Rechts die großen Fährschiffe nach Japan, links die Kriegsschiffe mit Atombewaffnung, auf der anderen Seite Kräne, Kräne die arbeiten und solche die schon seit Jahren rosten. - Für mich ist dieses Bild ein Spiegel der Welt, in der wir leben. Wirtschaftliche Interessen auf der einen Seite und Krisen- und Kriegspolitik auf der anderen Seite. Diese Bilder finden sich überall. Und zu allen Zeiten. Jede Nachrichtensendung in jedem Land ist voll davon. Unfriede herrscht auf der Erde.
Meine Geschichte ist nicht erfunden. Solche Szenen haben sich immer wieder abgespielt, auf demselben Ka. Solche Szenen waren Wirklichkeit, weil die Bewohner einer Hafenstadt wussten: ohne Einigkeit im Geist kann eine Mannschaft nicht funktionieren, ohne friedvolles Miteinander sinkt das Schiff im Sturm. - Das war ganz praktisch gedacht. Und es war eine Idee, die über die Planken des Schiffs hinaus wirkte.
Darum werden wir erinnert: auch wenn ihr aus verschiedenen Kulturkreisen kommt, auch wenn ihr verschiedene Muttersprachen habt, andere Traditionen pflegt: ihr alle seid ein Leib,in euch allen lebt ein Geist, ihr habt alle eine Hoffnung, die euch Gott gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde rief. (Eph 4,4)
Die Verschiedenheit auszuhalten, - das meint eins sein im Geist. Und immer wieder Geduld zu üben, - das ist das Band des Friedens an dem jeder und jede knüpfen soll.
Pastorin Silke Kuck, Kirchengemeinden Schmalförden / Neuenkirchen
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