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Trotzige Ermutigungen Wort zum Sonntag am 18.08.2012

 Es gibt so Tage, an denen ich mich frage, ob das, was ich tue, überhaupt sinnvoll ist. Kennen Sie das? Was bleibt von dem, was ich heute geschafft habe? Der Umgang mit Menschen kann durchaus auch recht schwierig und mühsam sein. Lohnen sich die Bemühungen und der Einsatz von Zeit, Kraft und Nerven? Manchmal kann man sich dabei so fühlen wie Sysiphos - der aus der griechischen Sage. Er musste einen großen Stein den Berg hoch rollen, der dann kurz vor dem Ziel über ihn hinweg wieder runter rollte. Letztlich war also alle Mühe vergeblich. Der Philosoph Albert Camus hat darüber ein ganzes Werk geschrieben, das in meiner Studienzeit in Heidelberg intensiv diskutiert worden ist. Der Mensch hat eine tiefe Sehnsucht nach Sinn und sinnvollem Handeln und erlebt sich zugleich immer wieder in dem Spannungsverhältnis zur Sinnwidrigkeit der Welt. Ausweichenkann dem Erleben dieses Spannungsverhältnisses niemand. Entscheidend ist die Frage: Wie gehen wir damit um?
Für diese Frage und für Tage, wo wir uns mal wieder nach dem Sinn unseres Tun fragen, sind mir Worte von Mutter Teresa, dieser kleinen großartigen Frau aus den Slums von Kalkutta, wichtig geworden: „Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen - liebe sie trotzdem. Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde - sei trotzdem erfolgreich. Das Gute, das du tust, kann morgen schon vergessen sein - tu trotzdem Gutes. Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verletzbar - sei trotzdem offen und ehrlich. Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden - baue trotzdem. Deine Hilfe wird wirklich gebraucht, aber die Leute greifen dich vielleicht an, wenn du ihnen hilfst - hilf ihnen trotzdem. Gib der Welt dein Bestes und es wir dir niemand danken - gib trotzdem dein Bestes."
Es gibt so Tage, da brauche ich solche Ermutigungen. Zu solchem Handeln ermutigt uns das Wort Gottes. Auch wenn wir den Sinn und die Früchte von manchem nicht sehen können, das Gute und Rechte zu tun, in Wahrhaftigkeit und Lauterkeit, in Liebe und Geduld, mit Barmherzigkeit und Geduld, das ist immer das segensreichere. Dem immer wieder gewiss zu werden, dafür brauche ich solche Ermutigungen. Ermutigungen, die aus der Gewissheit der Zusagen des Wortes Gottes erwachsen. Glauben bedeutet auch: So manchen Fragen, manchem Schweren und manchem scheinbaren Sinnlosen immer wieder ein „Dennoch“ entgegenzusetzen. So wie der Beter in Psalm 73,23f schreibt: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“ Unser Glaube gibt uns immer wieder die Kraft so solchen trotzigen Ermutigungen und stellt den Fragen des Lebens die Verheißungen Gottes entgegen.
Pastor Stephan Winter, Kirchengemeinde Sankt Hülfe-Heede |
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